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Zuwanderer-Kriminalität 2015: Wenige Intensivtäter begehen 40 Prozent aller Straftaten

Zuwanderer-Kriminalität 2015: Wenige Intensivtäter begehen 40 Prozent aller Straftaten

7. April 2016
Auszug aus der Statistik des Sächsischen Innenministeriums.
Auszug aus der Statistik des Sächsischen Innenministeriums.

„Eine Bilanz mit Licht und Schatten“ nennt die Sächsische Zeitung die Sächsische Kriminalitätsstatistik 2015 zum Thema „Zuwanderung“ in ihrer heutigen Ausgabe. 6.283 Zuwanderer, gemeint sind Asylbewerber, Geduldete, Flüchtlinge sowie „unerlaubt aufhältige Personen“) werden als Tatverdächtige für 14.414 Delikte aufgeführt. Im Jahr 2014 waren es noch 9.654 Straftaten von 3.897 tatverdächtigen Zuwanderern gewesen. Wichtig zur Einordnung: Die Zahl der Zuwanderer insgesamt verfünffachte sich in Sachsen im Jahr 2014 von 16.549 auf 83.847.

Sachsens Innenminister Markus Ulbig kommentierte diese Zahlen so: „Der Anteil der durch Zuwanderer im Jahr 2015 begangenen Straftaten an allen aufgeklärten Fällen lag bei neun Prozent. Gemessen am Bevölkerungsanteil der Zuwanderer – in Sachsen lag er im vergangenen Jahr bei etwas mehr als zwei Prozent – treten Zuwanderer durchschnittlich häufiger als Tatverdächtige in Erscheinung als der Durchschnitt der Bevölkerung. Dabei ist zu berücksichtigen, dass überproportional viele männliche Personen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren zugewandert sind. Diese Bevölkerungsgruppe tritt unabhängig von Staatsangehörigkeiten stärker mit Kriminalität in Erscheinung als der Durchschnitt der Bevölkerung.“

Wir beantworten weitere wichtige Fragen zur sächsischen Kriminalstatistik im Zusammenhang mit dem Thema „Zuwanderung“:

Welche Straftaten (ohne ausländerrechtliche Verstöße) werden am häufigsten von Zuwanderern verübt?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik Sachsen weist 14.414 Straftaten aus. Davon waren:

  • 39,7 Prozent Diebstähle (74 Prozent davon sind Ladendiebstähle),
  • 17,2 Prozent Beförderungserschleichung (Schwarzfahren),
  • 11,4 Prozent Körperverletzung
  • 5,5 Prozent Rauschgiftdelikte.

Welche Rolle spielen Gewaltdelikte?

Neben den 1.647 Körperverletzungsdelikten tauchen in der Statistik auch 28 Straftaten gegen das Leben (0,2 Prozent) auf, davon fünf vollendete. Die Mehrzahl dieser Taten wurde in Asylbewerberheimen verübt, 34 von 38 Opfern waren Nichtdeutsche.

Welche Rolle spielen Sexualdelikte?

Vergewaltigungen bzw. sexuelle Nötigungen machen 105 Fälle bzw. 0,7 Prozent aller durch Zuwanderer begangene und aufgeklärte Straftaten aus. Insgesamt wurden 2015 in Sachsen  1.995 solcher Delikte begangen.

Wie ist die Situation in den Asylunterkünften?

Weiterhin angespannt, wie schon die Zahl der Taten gegen das Leben beweist. In den Unterkünften wurden 14 Prozent aller durch Zuwanderer verübten Straftaten verzeichnet, zu 43 Prozent handelte es sich dabei um Körperverletzungen.

Woher kommen die erfassten Straftäter?

20 Prozent aller ermittelten Tatverdächtigen sind Tunesier, obwohl der Anteil dieser Nationalität an allen Zuwanderern inzwischen nur noch 2,2 Prozent ausmacht. Bedenklich: Damit sind zwei Drittel aller in Sachsen lebenden Tunesier einer Straftat verdächtig, von den 182 hier lebenden Algeriern sind es sogar 82 Prozent.

Den Tunesiern folgen nach Häufigkeit der Staatsangehörigkeit absteigend: Libyer, Marokkaner, Georgier und Syrer. Syrische Staatsangehörige machen fast ein Drittel aller Zuwanderer in Sachsen aus, stellen jedoch nur 1,4 Prozent der Tatverdächtigen.

Wie hoch ist der Anteil an Mehrfach- oder Intensivtätern?

Als solcher gilt ein Täter, der mehr als fünf Straftaten in einem Jahr begeht. In Sachsen betraf das im Jahr 2015 604 Personen. Obwohl sie nur 0,7 Prozent aller Zuwanderer ausmachen, sind sie für fast 40 Prozent aller durch Zuwanderer begangenen Straftaten verantwortlich. Ein Drittel der Mehrfach- und Intensivtäter stammt aus Tunesien, 17 Prozent aus Georgien.

Wie werden diese Zahlen bewertet?

Innenminister Markus Ulbig:

Über 93 Prozent der Zuwanderer haben sich völlig korrekt verhalten. Und auch bei den 6,7 Prozent, die straffällig wurden, gibt es große Unterschiede. (…) Für Menschen, die das Asylrecht für die Begehung von Straftaten missbrauchen, haben wir kein Verständnis. Wer als Zuwanderer permanent gegen die Rechtsordnung verstößt, darf grundsätzlich kein Bleiberecht erhalten. Durch konsequente Rückführung senden wir darüber hinaus das wichtige Signal in die Heimatstaaten, dass sich der Weg nach Deutschland mangels Bleibeperspektive nicht lohnt.

Gunnar Saft, Sächsische Zeitung (Printausgabe vom 7.4.):

Den kriminellen Zuwanderer gibt es nicht. Mehr als 93 Prozent von ihnen haben sich seit ihrer Ankunft in Deutschland nichts zuschulden kommen lassen. Genau so wie sich die meisten Sachsen an Recht und Ordnung halten. Es geht also um eine Minderheit, die begreifen muss, dass in ihrem Schutzland Gesetze gelten, die sie einzuhalten haben. Deshalb sollte der Freistaat auch hier konsequent durchgreifen. Vom Bußgeld für den ausländischen Schwarzfahrer bis zur Haftstrafe und anschließenden Abschiebung für den hochkriminellen Intensivtäter. Integration bedeutet schließlich nicht allein notwendige Hilfe beim Einleben, sondern ist auch mit Pflichten verbunden. Pflichten, die für alle gelten, die hier leben. Das einzufordern ist nicht nur legitim, sondern hilft dabei, sich gegenseitig zu akzeptieren. Und nur das zählt.

Albrecht Pallas, innenpolitischer Sprecher SPD-Fraktion:

Dem starken Anstieg der Zahl Geflüchteter steht ein nur leichter Anstieg der Straftaten durch diese Gruppe gegenüber. Der immer wieder erhobene Generalverdacht gegen Asylsuchende ist also falsch. Besonderes Augenmerk muss künftig den Mehrfach- und Intensivtätern gelten, denn obwohl diese nur 1,3 % aller Zuwanderer ausmachen, waren sie bislang für nahezu die Hälfte alle registrierten Straftaten verantwortlich.

Angriffe auf Asylunterkünfte

Wie viele Straftaten gegen Asylunterkünfte gab es?

Im Jahr 2015 wurden insgesamt 118 politisch motivierte Straftaten gegen Asylunterkünfte registriert (2014: 31 Fälle). Die Mehrzahl der Fälle waren Sachbeschädigungen (52) sowie Propagandadelikte (13).

Welche Rolle spielen Gewaltdelikte?

Die Statistik verzeichnet 34 Gewaltdelikte: 17 Brandstiftungen, 9 Körperverletzungen, 4 Sprengstoffdelikte sowie 2 versuchte Tötungsdelikte. 12 Personen wurden bei der Ausübung der Straftaten leicht verletzt.

Wie viele Straftaten aus 2015 konnten bisher aufgeklärt werden?

27.

Straftaten gegen Amts- und Mandatsträger

(gemeint sind Politiker, Personen des öffentlichen Lebens wie Mitarbeiter von Behörden der Verwaltung oder Justiz, ehrenamtliche Helfer oder andere Privatpersonen)

Wie viele entsprechende Straftaten wurden erfasst?

58 Straftaten zum Nachteil von Amts- und Mandatsträger wurden im Zusammenhang mit dem Thema „Zuwanderung“ registriert, vornehmlich Bedrohungen (15) und Beleidigungen (16). Allerdings gab es auch fünf Gewaltdelikte.

Wie viele Straftaten konnten bisher aufgeklärt werden?

21.

Hier gibt es einige übersichtliche Grafiken zur Auswertung. Und so berichtet der MDR: „Zahl der Straftaten gesunken“

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

Lesehinweis: Asylbewerber auf dem sächsischen Arbeitsmarkt

Kann Deutschland die Flüchtlinge wieder zurückschicken, wenn sich die Lage in den Herkunftsländern verbessert?

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