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Wollen die Flüchtlinge überhaupt wieder zurück in ihre Heimat?

Wollen die Flüchtlinge überhaupt wieder zurück in ihre Heimat?

11. März 2016

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Grundsätzlich ist Asyl nur ein temporäres Konstrukt. Sobald die Situation in den Heimatstaaten der Flüchtlinge wieder stabil ist, ihr Fluchtgrund also wegfällt, erlischt normalerweise auch das Aufenthaltsrecht in Deutschland.

Sicherlich wird es viele Flüchtlinge geben, die freiwillig in ihr Herkunftsland zurückgehen wollen, um beim Wiederaufbau ihrer Heimat zu helfen. Sogar jetzt kehren bereits etliche – vor allem irakische – Asylsuchende freiwillig zurück, wie wir hier bereits berichtet haben.

Doch die Mehrheit erhofft sich ein dauerhaftes Leben in der Bundesrepublik. Das ergab eine im Januar veröffentlichte Analyse des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das 2.800 Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge nach ihrer Zukunftsorientierung befragte:

Es zeigt sich eine starke Orientierung hin zu einer langfristigen Perspektive in Deutschland: 84,7 % der Befragten insgesamt geben an, für immer in Deutschland bleiben zu wollen.

Auch der Wunsch nach der deutschen Staatsbürgerschaft ist groß: 79,8 Prozent möchten laut der Studie „auf jeden Fall“ einen deutschen Pass erwerben, 11 Prozent „wahrscheinlich“.

Zukunftsplanung: Syrer sind am unsichersten

Vom BAMF wurden insbesondere Personen aus dem Irak, Syrien und Afghanistan, also den Ländern aus denen mit Abstand die meisten Flüchtlinge nach Deutschland kommen, befragt. Bei den Antworten lassen sich je nach Herkunftsland unterschiedliche Tendenzen erkennen: So sind es vor allem Afghanen und Iraker, die überdurchschnittlich oft für immer in Deutschland bleiben wollen. Syrische Flüchtlinge gaben dies weniger oft an und waren sich bei Fragen bezüglich ihrer Zukunftsplanung häufiger „unsicher“ als Asylberechtigte anderer Nationalitäten.

Ob und wie viele Menschen tatsächlich hierbleiben werden, hängt stark davon ab, wie sich die politische Lage in ihren Heimatländern in den nächsten Jahren entwickeln wird. Denn wer als Asylberechtigter oder anerkannter Flüchtling drei Jahre in Deutschland lebt, ohne dass der Grund für seine Flucht zwischenzeitlich weggefallen ist, bekommt eine unbefristete Niederlassungserlaubnis. Wer subsidiären Schutz genießt, nach sieben Jahren.

„Ich rechne damit, dass deutlich mehr als die Hälfte der in diesem Jahr ankommenden Flüchtlinge, also mindestens 400.000, wohl langfristig hierbleiben werden“, sagte Tobias Klaus von Pro Asyl dem Nachrichtensender n-tv.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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