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Wie läuft ein Asylverfahren ab?

Wie läuft ein Asylverfahren ab?

18. September 2015

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Das deutsche Grundgesetz garantiert das Grundrecht auf Asyl. Mit einem 4-stufigen Verfahren wird in jedem Einzelfall geprüft, ob die Bundesrepublik Asyl gewährt:

1. Erstverteilung und Unterbringung

Asylanträge müssen in Deutschland grundsätzlich beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (kurz BAMF) gestellt werden. Möchte ein Schutzsuchender in Deutschland Asyl beantragen, wird er an die nächstgelegene Aufnahmeeinrichtung im jeweiligen Bundesland verwiesen. Diese kümmert sich um seine Unterbringung, versorgt ihn und informiert die nächste Außenstelle des BAMF, die ihn registriert. Die sächsische Außenstelle des BAMF befindet sich in Chemnitz. Hier wird jeder Flüchtling fotografiert und seine Fingerabdrücke werden abgenommen.

2. Asylantrag

In dieser Außenstelle ist persönlich auch der Antrag auf Asyl zu stellen. Bei der Antragstellung ist ein Dolmetscher anwesend.

Den Entscheidern des BAMF stehen für die Bearbeitung des Asylantrages verschiedene Informationsquellen zur Verfügung. Neben bundes- und europaweiten Datenbanken greifen die BAMF-Mitarbeiter zur Überprüfung von Dokumenten, Beweismitteln und Sachlagen auf Folgendes zurück:

  • Sprach- und Textanalysen
  • physikalisch-technische Urkundenuntersuchungen (PTU)
  • medizinische oder sonstige Gutachten
  • Ansprechpartner des Auswärtigen Amtes
  • im Ausland eingesetztes Personal des BAMF
  • Leitsätze für die wichtigsten Herkunftsländer, die bei der Entscheidungsfindung helfen

Bei der Antragstellung wird dem Asylsuchenden ein Ausweisdokument, die Aufenthaltsgestattung, ausgestellt.

3. Anhörung

Die Anhörung ist der wichtigste Termin des Antragstellers innerhalb seines Asylverfahrens – auch diese findet in Sachsen bisher ausschließlich in Chemnitz statt. Hier schildert er selbst seine Fluchtgründe. Weiterhin muss er alle weiteren Tatsachen und Umstände darlegen, die ihm eine Rückkehr in sein Heimatland unmöglich machen. Bei der Anhörung ist ein Dolmetscher anwesend, der wie der Entscheider zur Verschwiegenheit verpflichtet ist.

4. Entscheidung

Die Entscheidung über den Asylantrag stellt das BAMF dem Antragsteller schriftlich in Form eines Bescheides zu. Neben der Begründung der Entscheidung ist dem Bescheid auch eine sogenannte Rechtsbehelfsbelehrung beigefügt. Darin ist erklärt, wie man rechtlich gegen den Bescheid vorgehen kann.

Einzig und allein ausschlaggebend für die Asyl-Entscheidung ist das Einzelschicksal. So können auch Menschen, die aus sicheren Herkunftsstaaten kommen, die Voraussetzungen für die Asylgewährung erfüllen, wenn sie ihre Furcht vor Verfolgung begründen können.

Wem das noch zu theoretisch ist: In einem 17-minütigen Video des BAMF ist das Asylverfahren sehr anschaulich erklärt.

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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