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Wie funktioniert ein Einbürgerungstest?

Wie funktioniert ein Einbürgerungstest?

18. Dezember 2015

Einbürgerungstest

Sein großer Tag ist gekommen. Atef* steht aufgeregt vor dem eher unspektakulären Gebäude der Kreisvolkshochschule Bautzen. Er zögert kurz, atmet tief ein und stößt die Tür zum Eingang auf.

Seit fast 8 Jahren lebt Atef in Deutschland, er kam Anfang 2008 über Umwege als Flüchtling aus dem besetzten Irak. Damals war er 18 alt und hatte gerade erst die Schule in seinem Heimatland abgeschlossen. Wenn er in etwas mehr als einer Stunde wieder auf die Straße tritt, wird er einen weiteren Meilenstein in seinem Leben hinter sich gelassen haben. Den Einbürgerungstest.

Mehr als 300 mögliche Fragen

Um als deutscher Staatsbürger anerkannt zu werden, müssen Ausländer wie Atef viele Kriterien erfüllen. Eine der Grundvoraussetzungen ist das erfolgreiche Absolvieren eines Tests, mit dem die zukünftigen Deutschen ihre Kenntnisse über die Rechts- und Gesellschaftsordnung und die Lebensverhältnisse in unserem Land nachweisen sollen.

Aus einem Katalog mit über 300 möglichen Fragen werden für die Prüfung 33 herausgepickt. Davon 30 Testfragen zu den Themenbereichen „Geschichte und Verantwortung“, „Mensch und Gesellschaft“ und „Leben in der Demokratie“ und drei weitere Fragen, die speziell das Bundesland betreffen, in dem der Antragsstellende seinen Erstwohnsitz hat.

Atef und seine Mitprüflinge müssen in einem Multiple-Choice-Test beispielsweise ankreuzen, welche Farben im sächsischen Landeswappen zu sehen sind, wer die Nationalhymne geschrieben hat oder was zu den Aufgaben des Bundespräsidenten gehört. Aber auch mit den Grundsätzen der EU sollten sie sich auseinander gesetzt haben und z. B. erklären können, was unter der europäischen Integration zu verstehen ist.

Viel Zeit zum Überlegen haben die Prüflinge allerdings nicht. Der Test dauert 60 Minuten, das heißt, es bleiben ihnen nicht einmal zwei Minuten pro Frage. Mindestens 17 Fragen müssen korrekt beantwortet werden. Wer es nicht schafft, darf den Test jedoch wiederholen.

Im Online-Testcenter kostenlos üben

Um diese Prüfungssituation zu üben, ist Atef viele Male den Gesamtkatalog mit den 310 Testfragen online durchgegangen. Auf der Website des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge darf jeder kostenlos sein Wissen auf die Probe stellen. Zusätzlich bieten einige Bundesländer auch spezielle Vorbereitungskurse an.

Wer sich schließlich fit genug fühlt, kann sich gegen eine Teilnahmegebühr von 25 Euro zum Einbürgerungstest anmelden. Prüfstellen des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gibt es in jedem Bundesland – in Sachsen sind es insgesamt 17 Stellen, vor allem an Volkshochschulen und Sprachschulen.

Atefs Vorbereitung hat sich ausgezahlt, seine Nervosität war unbegründet: Fast alle Fragen konnte er richtig beantworten. Er ist zwar Muslim, aber dieses Jahr wünscht auch er sich etwas zu Weihnachten: endlich seinen eigenen deutschen Pass in Händen halten zu können.

* Name von der Redaktion geändert

 

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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