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Weniger Zugänge, mehr Abschiebungen: Sachsen atmet beim Thema Asyl durch

Weniger Zugänge, mehr Abschiebungen: Sachsen atmet beim Thema Asyl durch

23. März 2016
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Die Zugangszahlen von Flüchtlingen in Sachsen von Januar 2014 bis Februar 2016.

Sachsen atmet im Bereich Asyl durch: Wie das Sächsische Innenministerium berichtet, sind zwar zwischen 1. Januar und 17. März 5.278 Flüchtlinge in Sachsen eingetroffen und damit 1.600 mehr als im Vorjahreszeitraum. Verglichen mit den hohen Zugangszahlen vom Jahresende (Oktober bis Dezember: 39.281) ist diese Zahl jedoch niedrig und für die Behörden absolut beherrschbar. Hintergrund des deutlichen Rückgangs der Flüchtlingszahlen ist insbesondere die Schließung der Balkanroute.

Hier die wichtigsten Fakten zur aktuellen Asyl-Lage im Freistaat:

  • Die drei wichtigsten Herkunftsländer der 2016 Angekommenen sind: Syrien (37 %), Irak (19 %) und Afghanistan (18 %).
  • Eine Bleibeperspektive – das ausschlaggebende Kriterium dafür ist die bisherige Schutzquote für ihre Herkunftsländer – haben 76 %, also 4.011 der 5.278 Asylbewerber.
  • Am 17. März waren die sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen zu 19 % belegt. Von 18.339 zur Verfügung stehenden Plätzen wurden 3.494 genutzt.
  • Der Großteil der in Sachsen lebenden Asylbewerber ist also bereits in den Kommunen untergebracht und wartet dort auf das Ergebnis seiner Asylverfahren. Das betrifft aktuell ca. 33.000 Asylbewerber. Der Antrag von 6.200 in Kommunen untergebrachten Bewerber wurde abgelehnt, sie gelten als „vollziehbar ausreisepflichtig“ (Stand jeweils 29.2.).
  • Der Freistaat Sachsen hat bis Mitte März bereits 943 Asylbewerber abgeschoben, wie MDR.de berichtet. Im ersten Quartal 2015 waren es insgesamt 212 gewesen. 257 Asylbewerber reisten – vom Freistaat gefördert – freiwillig aus (Infos zu Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen haben wir hier zusammengestellt). [Update: Aktuelle Statistiken zur Abschiebung durch Sachsen sind hier zu finden: Vollzieht Sachsen weniger Abschiebungen als andere Bundesländer?]

Das Leipziger Uni-Radio mephisto 97.6 fasst die Vorteile dieser aktuellen Asyl-Situation im Freistaat so zusammen:

Für die Landesdirektion hat die Verschnaufpause einen weiteren positiven Nebeneffekt, Asylbewerber können so besser betreut und in passenden Konstellationen weitergeleitet werden. Für diejenigen, welche es bereits nach Deutschland geschafft haben, bringt die Schließung der Balkanroute also auch Vorteile mit sich. Auch aktuelle Neuankömmlinge sehen sich einer besser vorbereiteten Asyl-Infrastruktur gegenüber als noch zu Anfang des syrischen Bürgerkrieges.

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

Warum reinigen Flüchtlinge ihre Unterkünfte nicht selbst? (User-Frage)

Lesehinweis: Asylbewerber auf dem sächsischen Arbeitsmarkt

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