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Was passiert mit (unbegleiteten) Flüchtlingskindern?

Was passiert mit (unbegleiteten) Flüchtlingskindern?

asyl_kinder02Unter den 800.000 Flüchtlingen, die laut aktuellem Stand 2015 in Deutschland erwartet werden, werden ca. 276.000 Minderjährige sein. Update 14.12.2015: Unter der einen Million Flüchtlinge, die 2015 bereits in Deutschland registriert wurden, vermutet UNICEF rund 300.000 Minderjährige. Das bedeutet, dass jeder dritte Flüchtling in Deutschland ein Kind oder Jugendlicher ist.

Alltag

Viele der Flüchtlingskinder sind alleine von ihren Eltern auf die Flucht geschickt worden.
Update 14.12.2015: Bis zum 19. November sind bereits 57.376 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Deutschland angekommen, wie Spiegel-Online berichtet (im Jahr 2014 waren es knapp 50.000).
Bei anderen schaffen es die Eltern aus seelischen oder körperlichen Gründen nicht, sich ausreichend um ihre Kinder zu kümmern. Das bringt einen höheren Betreuungsaufwand für Staat und Kommunen mit sich. Zahlreiche Kinder und Jugendliche flüchten vor Krieg, Unterdrückung und Verfolgung. Sie erreichen Deutschland isoliert und traumatisiert, sagte Franz Joseph Freisleder, Ärztlicher Direktor des Heckscher-Klinikums für Kinder- und Jugendpsychiatrie München gegenüber der WELT:

„Sie haben ein Maß an Gewalt erlebt, das wir uns nicht vorstellen können. Sie verstehen nicht, wo sie sind, wissen nicht, wie es weitergehen soll.“

Vermittlung von unbegleiteten Flüchtlingskindern

Um Kinder und Jugendliche schneller zu vermitteln, klärt das zuständige Jugendamt, ob Verwandte im Land sind oder die Minderjährigen in Pflegefamilien untergebracht werden können. Ist beides nicht möglich, werden die Kinder und Jugendlichen in Aufnahmezentren untergebracht und ein gesetzlicher Vormund wird erklärt. Der Vormund unterstützt die Kinder bei Behördengängen und bei der Beantragung von Asyl. Außerdem wird entschieden, ob eine medizinische oder psychologische Betreuung nötig ist, eine Schule, ein Kindergarten wird ausgewählt oder bei großem Hilfsbedarf eine psychologische Einrichtung für Kinder und Jugendhilfe vermittelt.
Das alles geschieht in einem sogenannten „Clearing-Verfahren“. Was das genau ist und wie es funktioniert, erklärt die Diakonie sehr anschaulich.

Sachsens Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) mahnt in Bezug auf den Umgang mit den vielen minderjährigen Flüchtlingen eindringlich:

Das Gelingen dieser Aufgabe ist auch ein Gradmesser für die Humanität unserer Gesellschaft.

Gilt für Flüchtlingskinder Schulpflicht?

Ja, in allen Bundesländern gilt auch für Flüchtlingskinder die Schulpflicht. In Sachsen müssen Flüchtlingskinder spätestens drei Monate nach Asylantragstellung eine Schule besuchen (Mehr Infos dazu gibt’s beim Fakt „Gehen Flüchtlingskinder in die Schule?“). Dort nehmen sie dann mindestens einmal die Woche an Sprachlernklassen teil. Der Besuch von Sprachlernklassen dauert in der Regel 1 Jahr, kann jedoch nach Leistung verkürzt oder verlängert werden.

Welchen Aufenthaltsstatus erhalten die Kinder?

Die Diakonie Deutschland informiert: „Eine große Anzahl unbegleiteter Flüchtlingskinder hat keinen festen Aufenthaltsstatus – sie leben nur aufgrund einer Duldung in Deutschland. Eine Duldung ist eine ‚Aussetzung der Abschiebung‘.“ Die Kinder und Jugendlichen sind verpflichtet auszureisen, werden jedoch nicht abgeschoben, weil ihr Herkunftsland unsicher ist oder sie keinem Sorgeberechtigten übergeben werden können. Sie werden grundsätzlich bis zum 18. Lebensjahr nicht abgeschoben, allerdings kann die Duldung fristlos aufgehoben werden. Flüchtlingskinder leben somit in ständiger Angst, abgeschoben zu werden.
Nach der Vollendung der Volljährigkeit wird geprüft, ob die Jugendlichen einen Schulabschluss besitzen oder mindestens 6 Jahre lang eine Schule besucht haben. Ausreichende Schulbildung ist ein Kriterium, um die vollständige Aufenthaltsgenehmigung zu erhalten. Insgesamt erhalten mehr als die Hälfte aller Jugendlichen eine vollständige Aufenthaltsgenehmigung.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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