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Warum werden Asylbewerber nicht sofort in Wohnungen untergebracht?

Warum werden Asylbewerber nicht sofort in Wohnungen untergebracht?

17. September 2015

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Das geht leider nicht, weil die wichtigen ersten Schritte im Asylverfahren nur an einem zentralen Ort schnell und effektiv durchgeführt werden können. Das heißt: Alle Flüchtlinge, die in Deutschland ankommen, müssen zuerst in eine Erstaufnahmeeinrichtung (EAE). In der EAE hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine Außenstelle eingerichtet. Sie erfüllt alle wichtigen Voraussetzungen für die Registrierung, medizinische Erstuntersuchung und Anhörung.

Die Registrierung und die medizinische Erstuntersuchung der Flüchtlinge finden in der Regel in den ersten Tagen nach der Ankunft statt. Bei der Registrierung werden Personaldaten und Fingerabdrücke erfasst. Die Untersuchung ist notwendig, um schwere oder ansteckende Krankheiten auszuschließen.

Der wichtigste Termin im Asylverfahren ist die Anhörung zu Fluchtgründen. Theoretisch soll das schon wenige Tage nach der Antragstellung passieren. Praktisch vergehen da aber meist Monate, weil die Zahl der Flüchtlinge in letzter Zeit so rasant gestiegen ist. Wie die dpa (via DIE WELT) vermeldet, liegen außerdem deutschlandweit 250.000 Asylanträge auf Halde und warten auf ihre Bearbeitung.

In Sachsen gibt es derzeit nur in Chemnitz eine EAE mit Außenstelle des BAMF. Deshalb müssen alle Flüchtlinge, auch jene, die in Notunterkünften in anderen Regionen Sachsens wohnen, früher oder später nach Chemnitz fahren, um hier offiziell ihren Asylantrag zu stellen. Wären die Flüchtlinge vom ersten Tag an in Wohnungen untergebracht, wäre das eine kaum zu bewältigende logistische Herausforderung. In den Notunterkünften bekommen Flüchtlinge hingegen alle Informationen aus einer Hand. Außerdem werden von hier aus die Fahrten nach Chemnitz organisiert.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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