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Warum und wohin verschwinden immer wieder Flüchtlinge?

Warum und wohin verschwinden immer wieder Flüchtlinge?

22. Dezember 2015

Asyl, Flüchtlinge

Anfang November verschwanden mehr als 200 Flüchtlinge aus einer Erstaufnahmeeinrichtung in Döbeln. Und keiner weiß, wohin. Doch nicht nur in Döbeln haben sich Asylbewerber scheinbar in Luft aufgelöst. In der gesamten Bundesrepublik wird immer wieder von Menschen berichtet, die sich auf die zweite Flucht begeben haben. Wie viele sind das? Warum gehen sie? Und wohin verschwinden sie?

Genaue Zahl ist unbekannt

In Nordrhein-Westfalen sind es wohl tausende, wie der WESTEN Online schreibt. N24.de berichtet, dass 20 bis 30 Prozent der Flüchtlinge in Ostdeutschland verschwinden. Da die meisten Flüchtlinge die Erstaufnahmeeinrichtung oder Notunterkunft aber verlassen, bevor sie registriert werden konnten, gibt es keine genaue Zahl, um viele Menschen es sich handelt.

Über Motive und Ziele wird spekuliert

Ebenso ungewiss, wie die genaue Zahl der verschwundenen Flüchtlinge sind Gründe und Ziele derer. Vermutet wird, dass viele Menschen gar nicht in Deutschland bleiben wollen, sondern etwa nach Skandinavien weiterreisen möchten. Sie versuchen, die „Registrierung in Deutschland [zu] vermeiden, da sie sonst in anderen Ländern keinen Anspruch auf Asyl haben. Vor allem jene Menschen, die nicht aus Syrien, Eritrea oder dem Irak kommen, fürchten, ihr Asylantrag könnte letztlich aufgrund ihrer Herkunft abgelehnt werden“, heißt es bei ZEIT Online zu den möglichen Fluchtgründen. Andere spekulieren, dass es nicht unüblich sei, dass Flüchtlinge versuchten, bei Verwandten unterzukommen.

Auch die Freie Presse hat sich mit dem Phänomen beschäftigt und kommt zu einem für Sachsen sehr bedenklichen Schluss:

Erste Landkreise melden eine starke Abwanderung nach Erhalt des Bleiberechts. Ursachen: Perspektivlosigkeit in strukturschwachen Regionen, aber auch Angst vor Rassismus.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.
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1 Kommentar

  1. Warum sollte ein Asylberechtigter auf Legalität + staatliche Unterstützung verzichten, und illegal bei Verwandten unterkommen ?
    Plausibler ist sicher, daß eine Registrierung vermieden wird, wenn ein positiv verlaufendes Asylverfahren von vorn herein nicht aussichtsreich ist. Illegalität in Deutschland ist für die Betreffenden sicher um einiges besser, als Legalität im hundearmen Herkunftsland.
    Wir sollten uns abgewöhnen zu glauben, wir könnten von Flüchtlingen „Fairness“ im Umgang mit unseren Spielregeln erwarten. Flüchtlinge interessieren sich fürs (Über-)leben, nicht für unsere harschen Drohgebärden mit erhobenem Zeigefinger. („Sei ehrlich und gib zu, wenn Du nicht aus einem Kriegsgebiet stammst, damit wir Dich wieder dorthin zurück schicken können, woher Du Monate gebraucht hast, um zu uns zu kommen.“ Glauben wir tatsächlich, dass jemand, der Flüchtling ist, deswegen automatisch auch blöd oder im 21.Jahrhundert uninformiert ist ?)

    Wer Asylbegehrenden vor Abschluss ihres Asylverfahrens Freizügigkeit (z.B. Verlassen der Aufnahmeeinrichtung) gewährt, muss sich ebenfalls nicht wundern.

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