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Warum kommen so viele Männer ohne Familie?

Warum kommen so viele Männer ohne Familie?

7. September 2015

 

Zwei Drittel der Asylbewerber sind alleinstehende Männer. In der Gruppe der 18- bis 35-Jährigen beträgt der Anteil sogar fast 75 Prozent. Das geht aus der Jahresstatistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für das Jahr 2014 hervor (Seite 21 und 22). Die Gründe dafür sind simpel: Eine Flucht ist teuer. Und sie ist gefährlich.

Teure Schlepper

Egal, ob Flüchtlinge den Seeweg wählen oder versuchen, sich im LKW in ein sicheres Land schmuggeln zu lassen: Die sogenannten Schlepper oder Schleuser verlangen viel Geld für die Überfahrt. Je nachdem, wie weit und in welches Land man fliehen will, verlangen sie 1.000 Euro bis hin zu 11.000 Euro pro Person. Das kann sich schlichtweg nicht jeder leisten. So schicken viele Familien nur einen Sohn vor – in der Hoffnung, dass er es schafft und die Familie bald nachholen kann.

Gefährliche Überfahrt

Selbst verhältnismäßig wohlhabende Familienväter lassen ihre Frauen und Kinder oft erst einmal zurück. Hier zeigt dieselbe Statistik (Seite 22): Je weiter weg das Herkunftsland (je länger also der Fluchtweg), desto mehr Männer fliehen ohne Familie. Frauen sind auf der Flucht zudem stärkeren Gefahren ausgesetzt als Männer: Sie können verschleppt oder vergewaltigt werden. Kinder sind oft zu klein und zu schwach für die Flucht und nicht selten ein Störfaktor für die Schlepper. Wer schreit, wird vom Boot geworfen, berichten Augenzeugen nicht selten.

„Asyl-Darwinismus“

Risiken und Erlebnisse wie diese wollen viele Männer ihren Familien ersparen. Sie hoffen, sie nach einem erfolgreichen Asylverfahren auf sicherem Weg nachholen zu können. Die Organisation „Pro Asyl“ spricht in diesem Zusammenhang von „Asyl-Darwinismus“. Nur die Stärksten – und Reichsten – überleben. Männer sind häufig stärker als Frauen. Und, je nach Herkunftsland, auch besser ausgebildet. Das erhöht die Chancen, ans Ziel zu gelangen.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.
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5 Kommentare

  1. Spiegelt so gar nicht meine Erfahrung wieder und Ihr habt hier völlig korrekt geschrieben „Zwei Drittel der Asylbewerber sind alleinstehende Männer“

    Bevor hier jemand rumschreit, diese Erfahrung habe ich durch die Integration meiner Frau …

    Das ist wie mit dem Märchen, dass die meisten aus Syrien kommen und dann wird ein Boot voll von Schwarzafrikanern präsentiert. Übrigens bei solchen Falschberichterstattungen, wie sie uns täglich vorgesetzt werden, kocht die syrische Seele. Die meisten Syrer wollen auch gar nicht hier her, die wollen das der Westen mit dem Kriegtreiben in Ihrem Land aufhört!

  2. Ein Punkt fehlt in der Liste noch, der regelmäßig von Flüchtlingen selbst berichtet wird: Insbesondere junge Männer sind davon bedroht in die militärischen Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. Sei es der IS oder die Armee: Wenn die Männer aufgefordert werden sich den Kämpfern anzuschließen, bleibt oft nur die Flucht, da eine Verweigerung oftmals direkt zur Ermordung führt.

    1. Vielen Dank für den Hinweis, aus der sich gleich eine neue Frage ergibt: Aus welchen Gründen kommen Flüchtlinge nach Sachsen? Dieser Frage gehen wir nach, eine Antwort darauf wird in den nächsten Tagen in unserem Blog folgen.

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