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Warum berichten Medien nicht umfangreicher aus den Einrichtungen?

Warum berichten Medien nicht umfangreicher aus den Einrichtungen?

8. Dezember 2015

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Die Menschen, die in Asylbewerberunterkünften leben, haben oftmals eine stressige und nervenaufreibende Flucht hinter sich. Deshalb brauchen sie einen ruhigen Ort, an dem sie sich auch einmal zurückziehen können. In einer Unterkunft, in der zum Teil mehrere hundert andere Menschen leben, ist das schon schwer genug.

Sicherlich ist das mediale Interesse an Geflüchteten, ihren Geschichten und ihrer Unterbringungssituation momentan sehr hoch. Doch wenn nun auch noch Journalisten in den Unterkünften ein- und ausgehen könnten, wäre die erforderliche Ruhe nicht mehr gegeben.

Eine MDR-Reportage hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gesichter der geflüchteten Menschen zu zeigen. Doch das ist nur außerhalb der Unterkünfte möglich. Dazu verliest die Reporterin einen Brief des Sprechers der Landesdirektion Sachsen, Dr. Holm Felber. Darin heißt es:

Ein anderes Vorgehen würde allein durch die Vielzahl solcher Anfragen dazu führen, dass eine Medienkarawane ständig fotografierend, filmend und auf der Suche nach Interviewpartnern durch die Quartiere zieht. Das ist weder mit dem geregelten Betreib der Einrichtung noch mit dem Umstand zu vereinen, dass die Asylbewerber in ihrer ersten festen Unterkunft in Deutschland ihren augenblicklich einzigen Rückzugsraum haben und nach meist langer und beschwerlicher Reise oft eher ruhebedürftig sind.

Wie funktioniert das in der Praxis?

In der Vergangenheit war die Aufregung über fehlende Berichterstattung groß. In der Dresdner Zeltstadt sei es Bewohnern, Helfern und Ärzten sogar verboten gewesen, mit der Presse zu sprechen, berichtete Zeit Online im August. So sollten die schlechten hygienischen Bedingungen verschleiert werden. Erst nachdem zwei Ärzte öffentlich über die „katastrophalen Zustände“ sprachen, hätten Journalisten den vorderen Teil der Einrichtung besichtigen dürfen.

In anderen Einrichtungen durften sich Medienvertreter die Unterkunft anschauen, bevor die ersten Asylbewerber ankamen. So konnten der Freiberger Oberbürgermeister Sven Krüger, der zuständige Mitarbeiter der Landesdirektion Sachsen Peter Darmstadt sowie Journalisten Anfang November die neu eingerichtete Freiberger Unterkunft begutachten, wie in einem You Tube-Video zu sehen ist.

Auch in Frankenberg konnte sich die Freie Presse vorab im Zelt auf dem Gelände der Wettiner Kaserne umschauen.

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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