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Über welche Routen gelangen Flüchtlinge nach Europa?

Über welche Routen gelangen Flüchtlinge nach Europa?

19. November 2015

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Als „Festung Europa“ beschreiben Kritiker die Europäische Union. Flüchtlinge haben es schwer, sie zu erreichen. Viele sterben auf der Flucht. Laut Internationaler Organisation für Migration (IOM) starben im Jahr 2015 bis zum 17. November 4.892 Flüchtlinge, 3.551 von ihnen überlebten die Überquerung des Mittelmeers nicht.

Wer kann, fliegt

Der sicherste und günstigste Weg in die Europäische Union ist die Reise mit dem Flugzeug. Allerdings können nur Angehörige der Mitgliedstaaten der EU ohne Visum einreisen. Menschen aus den meisten Nicht-EU-Staaten brauchen dagegen eines. In Krisengebieten ist es jedoch kompliziert, auf legalen Wegen an eins zu kommen. Schwierig bis fast unmöglich sei es „für Menschen aus ärmeren Ländern und Krisenregionen wie Syrien oder dem Irak“, schreibt tagesschau.de. „Die Hürden, ein Visum zu bekommen, seien sehr hoch, kritisieren Migrationsforscher und Nichtregierungsorganisationen.“ Laut Frontex, der EU-Organisation für die „Zusammenarbeit an den Außengrenzen“, nutzen dennoch viele Flüchtlinge den Luftweg. Wer trotz abgelaufenem Visum in Deutschland bleiben möchte, muss Asyl beantragen.

Flüchtlinge, die es aus einem der angegebenen Gründe nicht über den Luftweg nach Europa schaffen, nutzen zurzeit folgende Land- oder Seewege:

„Zentrale“ und „südöstliche Mittelmeerroute“

Die lange mit Abstand am häufigsten genutzten Fluchtwege waren die „zentrale“ und die „südöstliche Mittelmeerroute“. Die Flüchtlinge versuch(t)en auf dem Seeweg Italien oder Malta zu erreichen. Über die zentrale Mittelmeerroute gelangen vor allem Menschen aus Süd- und Westafrika nach Europa, laut Frontex in diesem Jahr bis September knapp 130.000. Auf der südöstlichen Route versuchten vornehmlich Afghanen, Pakistaner, Bangladeschi, Ägypter und Syrer ihr Glück, allerdings verlor die Route laut Frontex seit 2013 deutlich an Bedeutung.

„Östliche Mittelmeerroute“

Stark an Bedeutung gewonnen hat zuletzt die „östliche Mittelmeerroute“. Von Januar bis September 2015 flohen laut Frontex 359.171 Menschen über diese Route zunächst nach Griechenland, Bulgarien oder Zypern. Davon stammten 248.810 Menschen aus Syrien, 66.765 aus Afghanistan und 18.884 aus dem Irak.

„Westliche Balkanroute“

Knapp mehr als die Hälfte von ihnen (bis September 204.630) floh weiter über die „westliche Balkanroute“ nach Ungarn – wenngleich die Bedingungen in den Aufnahmelagern in Ungarn schon länger als unmenschlich gelten. Als sich die Lage in den ungarischen Aufnahmelagern im September 2015 zuspitzte, flohen viele Flüchtlinge zu Fuß weiter nach Österreich und Deutschland. Die Errichtungen von Grenzzäunen entlang Ungarns hat den Fluchtweg nochmals verlagert. Die meisten ziehen zwar nach wie vor weiter nach Österreich. Einige versuchen ihr Glück aber auch über die Ukraine, die Slowakische und die Tschechische Republik (siehe unten).

Seit der Bekanntgabe Sloweniens, nun ebenfalls Grenzzäune errichten zu wollen, befürchten Hilfsorganisationen, dass die westliche Balkanroute als Fluchtweg nun ebenfalls zum Erliegen kommen könnte.

„Westliche Mittelmeerroute“

Ebenfalls wichtig: die „westliche Mittelmeerroute“, über die jedes Jahr neben Syrern einige tausend Nordafrikaner und vor allem Flüchtlinge aus Kamerun nach Spanien kommen. Bis August zählte Frontex 7.892 Flüchtlinge.

Weitere Routen

Weniger genutzt werden die „westafrikanische Route“ zu den Kanarischen Inseln (bis August 2015 214 Flüchtlinge) und die „Route über die östlichen Festlandgrenzen“ (im selben Zeitraum 1.206 Flüchtlinge). Damit ist die Grenzregion zwischen Weißrussland, Moldau, Ukraine und Russland und den östlichen EU-Mitgliedstaaten gemeint.

 

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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Lesehinweis: ABC zur Flüchtlingskrise

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