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Steigt die Kriminalität im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften?

Steigt die Kriminalität im Umfeld von Flüchtlingsunterkünften?

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Kriminalität gibt es in allen Bereichen der Gesellschaft und an unzähligen verschiedenen Orten. Das sagte Andreas Loepki von der Leipziger Polizei bereits an anderer Stelle:

Wir weisen aber regelmäßig darauf hin, dass Kriminalität ubiquitär ist, also zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Gesellschaftsschicht und in jeder Gesellschaftsform auftritt. Sie ist also nicht an Nationalitäten oder die Herkunft gebunden.

Erfahrungen unterschiedlicher Bundesländer zeigen, dass Asylbewerberunterkünfte wenig bis gar keinen Einfluss auf die Kriminalitätsrate einer bestimmten Gegend haben. Laura Riske, Pressesprecherin der Freiburger Polizei, erklärt der Badischen Zeitung:

Dass auch im Umfeld von Flüchtlingswohnheimen Straftaten begangen werden, bei welchen Flüchtlinge sowohl als Täter als auch als Opfer in Erscheinung treten, ist uns bekannt. Auch hier können Drogendelikte und Einbrüche festgestellt werden. Ob dies allerdings signifikant höher ist als andernorts und Flüchtlinge mehr kriminelles Tun aufweisen, kann durch die Polizei so pauschal weder behauptet noch belegt werden.

Die Tagesschau hat bei Polizei und Innenministerien verschiedener Bundesländer angefragt. Fazit:

Es gibt keine Anhaltspunkte für einen überdurchschnittlichen Anstieg der Kriminalität, seit mehr und mehr Flüchtlinge ins Land kommen. Betrachtet man die Statistiken der ‚Delikte allgemeiner Kriminalität‘ – also Gewalttaten, Diebstahl, Sachbeschädigung – so ist zwar ein Anstieg zu beobachten: In Sachsen beispielsweise ist der Anteil der von Asylbewerbern verübten Straftaten von 2,9 Prozent 2014 auf 4,4 Prozent im ersten Halbjahr 2015 gestiegen. Das hat laut Sprecher des Staatsministeriums des Inneren aber einfach mit der wachsenden Zahl der Asylbewerber zu tun: ‚Wenn eine Gruppe innerhalb der Bevölkerung wächst, dann wächst auch deren Anteil an Straftaten. Wir können daraus aber nicht den Schluss ziehen, dass Asylbewerber krimineller sind als Deutsche.‘

Etwas älter, aber noch immer gültig ist das Statement des Berliner Polizeipräsidenten Klaus Klandt gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa):

Es sind ja auch keine Kriminellen, die kommen, sondern Flüchtlinge.

Umgekehrt nimmt allerdings die fremdenfeindlich motivierte Gewalt um Asylbewerberunterkünfte zu. Laut ZEIT ONLINE stieg die Zahl der Übergriffe 2014 auf 150 – 2013 waren es noch 58. Nach Angaben der Tagesschau zählte das Bundeskriminalamt in den ersten drei Quartalen bereits 461 Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte. Am vergangenen Wochenende zeigte sich in besorgniserregender Weise, wie schnell sich diese Spirale der Gewalt inzwischen dreht …

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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