geschlossen
Nehmen uns Flüchtlingskinder Kita-Plätze weg?

Nehmen uns Flüchtlingskinder Kita-Plätze weg?

asyl_kita02Das gilt sowohl für in Deutschland geborene Kinder als auch für Kinder von Asylbewerbern. Dafür braucht die Familie nach dem abgeschlossenen Asylverfahren eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland – entweder als anerkannte Asylbewerber oder als Geduldete (dazu auch Asylfakten.de). Franziska Snelinski vom Landratsamt Bautzen erklärt in der Sächsischen Zeitung: „In der Regel sind die Voraussetzungen erfüllt, wenn eine Aufenthaltsgestattung erteilt wurde und die Familie in der zugewiesenen Kommune untergebracht ist.“

Das ist bei guter Bleibeperspektive spätestens 3 Monate nach der Ankunft in Deutschland der Fall. Die Sächsische Landesregierung informiert:

Ab diesem Zeitpunkt gelten uneingeschränkt die gleichen Rechte auf Bildung, Erziehung und Betreuung der betroffenen Kinder wie für inländische Kinder, also der Rechtsanspruch auf Betreuung ab Vollendung des 1. Lebensjahres bis zum Schuleintritt sowie die bedarfsgerechte Versorgung mit einem Hortplatz.

Kinder ab dem 1. Lebensjahr dürfen in eine Kinderkrippe oder zu einer Tagesmutter gehen. Ab dem 3. Geburtstag haben die Eltern Anspruch auf einen Platz in einer Kindertagesstätte. Rechtlich sind die Kinder also gleichgestellt, eine Benachteiligung deutscher (wie auch ausländischer) Familien ist ausgeschlossen. Können die Eltern den Elternanteil nicht bezahlen, übernimmt den das Jugendamt.

Die Situation im Freistaat

Allerdings nutzen dieses Angebot nicht alle Eltern. Im Landkreis Bautzen gehen beispielsweise nach Angaben der Sächsischen Zeitung nur etwa ein Drittel aller Asylbewerber-Kinder in einen Kindergarten. Insgesamt sind es laut Landesregierung 20.000 Kinder in Sachsen. Dass viele Eltern ihre Kinder selbst betreuen, hat vor allem kulturelle Ursachen: Kinder aus muslimischen Ländern wachsen meist zuhause in der Großfamilie auf. Aber auch praktische Gründe wie eine oft schwierige Arbeitssuche der Eltern, die also lange ausreichend Zeit haben, sich um ihre Kinder zu kümmern, spielen eine Rolle. Nicht zuletzt fällt es vielen Eltern in ihrer emotionalen Ausnahmesituation fern der Heimat schwer, ihre Kinder in fremde Hände zu geben.

Ausblick

Der Bedarf an Kita-Plätzen wird dennoch in den nächsten Jahren steigen. Nach Schätzungen des Bundesfamilienministeriums werden kurzfristig 68.000 zusätzliche Plätze gebraucht, schreibt die Welt:

Unter den mindestens rund 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen, sind circa 110.000 Kinder unter sechs Jahren. Wenn 90 Prozent der über Dreijährigen und 30 Prozent der unter Dreijährigen eine Kita besuchen, sind das 68.000 neue Kita-Kinder.

Die Kommunen stehen dabei nicht nur beim Ausbau der Kapazitäten vor großen Herausforderungen. Oftmals müssen sie auch in der Betreuung mit sprachlichen und kulturellen Barrieren bei Eltern und Kindern umgehen. Häufig ist Unterstützung bei der Überwindung traumatischer Erlebnisse nötig. Dafür wird geschultes Personal gebraucht. Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung entwickelte dafür sogenannte WilkommensKITAs: Pädagogen bauen ein lokales Unterstützungsnetzwerk mit Experten auf. Gemeinsam werden die Integration der Familien vorangetrieben und Vorurteile abgebaut.

Die Betreuung in einem Kindergarten ist dabei ein wichtiger Baustein und ja auch sehr wichtig für das Erlernen der Sprache. Beim Spielen mit anderen lernen die Kinder oftmals viel schneller Deutsch als ihre Eltern. Das wird ihnen den Einstieg in die Schule erleichtern – denn auch für Kinder von Asylbewerbern besteht in Deutschland Schulpflicht. Laut Franziska Snelinski vom Landratsamt Bautzen bemüht sich der Landkreis, „dass die Kinder im Vorschulalter von etwa fünf Jahren dann in die Kita gehen.“

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

Kann Sachsen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge verweigern?

Bringen Flüchtlinge Krankheiten nach Sachsen?

5 Kommentare

  1. Ich finde es interessant das ganz groß „NEIN“, als Fakt ausgewiesen wird. Fakt aber ist, das etliche „deutsche“ Familien jetzt absagen bekommen, zu vorher zugesagten KiTa-Plätzen.

    Meine Schwägerin ist selbst Erzieherin in einem städtischen Kindergarten und diese dürfen seit 2 Monaten, bis August 2016 ausschließlich Flüchtlingskinder aufnehmen. Das ist die direkte Anweisung des LK.

    Also inwiefern nehmen Flüchtlingskinder keine Plätze weg, wenn vorher schon nicht genug da waren und jetzt ausgesiebt wird?

    1. Hallo SC,
      wie Sie dem Beitrag entnehmen können, haben wir diesen Fakt auf Grundlage der Aussagen verschiedener offizieller Quellen formuliert. Für den von Ihnen behaupteten „Fakt“ fehlen diese Quellenangaben hingegen. Wir werden gern versuchen, dem auf den Grund zu gehen. Nennen Sie uns dafür bitte den betroffenen Kindergarten und den Landkreis, der die von Ihnen erwähnte Anweisung erteilt haben soll. Wenn sich Absagen an „deutsche“ Familien aufgrund der Zuweisung der Plätze an Flüchtlingsfamilien belegen lassen, gern auch überprüfbare Informationen dazu.

      Viele Grüße
      die Asylfakten-Redaktion

  2. Unsere KiTa hat 18 Plätze für September 2016 zu vergeben. Die Vergabe erfolgt wie folgt:
    1. Alle Dreijährigen – egal ob Flüchtling oder nicht
    2. Alle Geschwisterkinder – egal ob Flüchtling oder nicht
    3. noch verbliebene Plätze gehen an Flüchtlingskinder um diese zu integrieren.
    Bisher haben immer noch einige Eltern mit einem ein- oder zweijährigen Kind einen Platz bei uns bekommen. Dies ist aufgrund der zusätzlichen Flüchtlingskinder jetzt nicht mehr möglich.
    Daher ist Ihre Aussage leider unzutreffend.

    1. Hallo NL,

      wie Sie unserer vorhergehenden Antwort entnehmen konnten, gehen wir Hinweisen wie diesen gern nach. Allerdings brauchen wir dafür Informationen und Ansprechpartner. Sprich: Um welche Kita geht es in Ihrem Fall? Wer ist der Träger? In welcher Kommune oder welchem Landkreis befindet sich die Kita? Sie können uns auch an asylfakten@stawowy-media.de schreiben.
      Wir bitten um Verständnis, dass wir die offiziellen Informationen, die unserem Beitrag zugrunde liegen, als zutreffend ansehen, solange wir keine konkreten Belege für eine andere Verfahrensweise haben.
      Viele Grüße
      die Asylfakten-Redaktion

  3. Es handelt sich um einen mathematischen Fakt. Wenn mehr Flüchtlinge vorhanden sind, führt dies zu einer höheren Nachfrage nach Kita-Plätzen. Bei einer gleichbleibenden Anzahl von Kita-Plätzen steigt somit die Wahrscheinlichkeit, keinen Kita-Platz zu bekommen. Wie schnell werden denn die Kita Kapazitäten ausgebaut, um diesem Effekt entgegenzuwirken?

Kommentar hinterlassen