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Lesehinweis: „Dass es noch keine Toten gab, ist reines Glück“

Lesehinweis: „Dass es noch keine Toten gab, ist reines Glück“

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Die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlinge und ihre Unterkünfte bleibt erschreckend hoch – und das, obwohl die Ankunftszahlen im Vergleich zum Herbst 2015 deutlich gesunken sind. Über aktuelle Zahlen informierten Anfang dieser Woche Vertreter des Bundeskriminalamts und des Thüringer Verfassungsschutzes  bei einem Symposium ostdeutscher Verfassungsschützer in Erfurt. Die dort vorgestellten Fakten sind aus nicht weniger als vier Perspektiven besorgniserregend:

  1. Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte reißen nicht ab
    Der Münchner Merkur berichtet: „Im ersten Halbjahr habe es bereits 563 Straftaten gegeben, darunter 51 Brandstiftungen, sagte der Kriminaldirektor beim Bundeskriminalamt (BKA), Marc Schmitz, bei einer Tagung der ostdeutschen Verfassungsschützer in Erfurt. Die Behörden hätten 97 Gewaltdelikte gegen Asylunterkünfte registriert. ‚Dass es noch keine Toten gab, ist reines Glück.'“
  2. Krasses Gewaltaufkommen auch außerhalb der Unterkünfte
    Seit Jahresbeginn zählt das BKA Attacken auf Flüchtlinge, die abseits von Wohnungen oder Heimen stattfinden, gesondert. 842 Straftaten wurden bis Mitte Juni gezählt, darunter 147 Gewaltdelikte, weist der Tagesspiegel nüchtern aus. Erschreckende Zahlen, die erschreckend wenig Erschrecken in der Öffentlichkeit verursachen…
  3. Täter-Prototyp: Nachbar, zuvor oft unauffällig
    1. „Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer äußerte sich vor allem besorgt, dass viele der Täter ‚aus einem Dunkelfeld‘ kämen und bisher nicht bekannt seien“, schreibt MDR Thüringen. Ein Drittel der Straftäter sei vorher nicht mit Straftaten aufgefallen.
    2. „Es scheint der Nachbar zu sein“, zitiert Süddeutsche.de BKA-Mann Marc Schmitz in Bezug auf den typischen Täter. „Angriffe auf Asylbewerberheime würden demnach zu 77 Prozent von direkten Anwohnern begangen. Nur sechs Prozent der Täter reisten mehr als 20 Kilometer, bevor sie zuschlagen.“
  4. Ausländerfeindlichkeit und demokratisches Engagement – beunruhigende Muster
    1. Süddeutsche.de schreibt: „In Wahlkämpfen, wie sie in diesem Jahr bereits etwa in Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz stattfanden, entlädt sich die Feindlichkeit gegen Ausländer besonders oft in Straftaten, so die Beobachtung des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamtes (BKA).“ Dort, wo „rechte Parteien“ am aktivsten seien, zeige die Zuspitzung im Wahlkampf sichtbare Auswirkungen auf die Kriminalität, zitiert die Website BKA-Mann Marc Schmitz.
    2. In 202 Fällen habe es Angriffe gegen „Amts- und Mandatsträger“, also Politiker, Polizisten und Sozialarbeiter gegeben, ergänzt SPIEGEL Online unter Verweis auf Schmitz.
    3. Auch professionelle oder ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sind gefährdet, wie einem Bericht des Tagesspiegels zu entnehmen ist: „Schmitz nannte auch 76 Angriffe auf Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Helfer, die sich um Flüchtlinge kümmern. Drei Delikte waren Gewalttaten.“
    4. Dazu kommt, dass laut einer Umfrage des Magazins „Kommunal“ jeder zweite Bürgermeister wegen der Flüchtlingspolitik mit Anfeindungen zu kämpfen habe.

Foto: „broken1“, Willi Heidelbach via flickr http://bit.ly/28MEVSQ (CC BY-SA 2.0)

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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