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Kommt es in Flüchtlingsunterkünften häufig zu Streitereien zwischen Christen und Muslimen?

Kommt es in Flüchtlingsunterkünften häufig zu Streitereien zwischen Christen und Muslimen?

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Die meisten Asylbewerber stammen zwar überwiegend aus islamisch geprägten Ländern, doch unter ihnen befinden sich auch viele Christen, die zum Teil aufgrund der Glaubensverfolgungen in ihren Heimatstaaten auf der Flucht sind. Dass Religion vor allem im Maghreb und Nahen Osten eine große Rolle spielt, ist weitgehend bekannt. So überrascht es nicht, wenn es auch in deutschen Flüchtlingsunterkünften zu Konflikten zwischen Muslimen und Christen kommt.

Polizeiliche Statistiken gibt es zwar noch nicht, doch es existieren zahlreiche Medienberichte und Erzählungen christlicher Flüchtlinge, die eine klare Sprache sprechen. Den meisten Sachsen wird noch die Massenschlägerei zwischen Asylbewerbern im Meißener Niederau im vergangenen Herbst in Erinnerung sein.

Jenem Konflikt lagen vermutlich Streitereien über die Einhaltung von Gebetszeiten zugrunde. Doch trotz des religiösen Anlasses sieht Dresdner Polizeisprecher Marko Laske den wahren Grund woanders. Der christlichen Zeitung Der Sonntag berichtete er:

Es geht eben nicht um Religionsfragen, sondern vielmehr um organisatorische Belange, die zu Streitigkeiten und wie in diesem Einzelfall zu Auseinandersetzungen führen.

Und auch Anke Bär, Sachgebietsleiterin für Integration im Ausländeramt des Landkreises Bautzen, führt die weitgehend entspannte Lage innerhalb der Bautzener Flüchtlingsunterkünfte auf die gelungene Organisation der Unterbringung zurück:

Spannungen aufgrund religiöser Unterschiede spüren wir nicht. Das liegt bestimmt daran, dass wir ein gutes Händchen bei der Mischung der Belegung haben und derartige Spannungsfelder gar nicht erst aufbauen.

Doch Angst und Konfliktpotential seien auf jeden Fall präsent. Michael Schubert, Pfarrer der Dresdner St. Pauli Gemeinde, sagte gegenüber Der Sonntag:

Es ist schwierig, das alles immer gleich als Religionskonflikt zu bezeichnen. Aber die Religion spielt in solchen Auseinandersetzungen manchmal eine große Rolle. Und gefühlt ist bei den Betroffenen auf jeden Fall die Angst da: Ich bin bedroht, weil ich Christ bin.

Genau deshalb werden nun vermehrt Stimmen laut, die eine getrennte Unterbringung von Muslimen und Christen fordern.

Doch verlässliche Zahlen fehlen und solange nicht eindeutig gesagt werden kann, ob die Probleme tatsächlich in religiöser Überzeugung wurzeln oder allein dem Lagerkoller geschuldet sind, wird mit einer solchen Regelung nicht zu rechnen sein. Selbst hochrangige christliche Vertreter sprechen sich für einen freien und säkularisierten Staat und gegen eine räumliche Trennung der Religionsmitglieder aus. So beispielsweise der Berliner Erzbischof Heiner Koch:

Es kann kein Weg sein, vor etwaigem intoleranten Verhalten gegenüber Christen zu kapitulieren, indem man eigene Unterkünfte nur für sie einrichtet.

Fazit: Den Medien zu Folge, gehen die negativen Erfahrungsberichte von Flüchtlingen und offizielle Aussagen von Behörden teilweise stark auseinander. Fakt ist, dass aufgrund der unterschiedlichen Religionszugehörigkeit ein gewisses Gefahrenpotential in den Flüchtlingsunterkünften herrscht und zumindest verbales Mobbing stattfindet.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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