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Kann jeder zu Hause Flüchtlinge aufnehmen?

Kann jeder zu Hause Flüchtlinge aufnehmen?

21. September 2015

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Prinzipiell ist das möglich, geht aber nicht sofort – also nicht direkt nach der Ankunft in Deutschland. Zunächst müssen Asylbewerber in einer Erstaufnahmeeinrichtung registriert werden. Erst wenn das Asylverfahren läuft, dürfen die Bewerber dezentral – also auch in privaten Wohnungen – unterkommen. Wer einen Asylbewerber zu Hause aufnehmen will, sollte einige bürokratische Spielregeln beachten. PRO ASYL gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen:

An wen kann ich mich wenden, wenn ich eine Wohnung zur Verfügung stellen will?

Voraussetzung ist, dass Ihre Kommune überhaupt bereit ist, Flüchtlinge in Privatwohnungen unterzubringen. Ist das der Fall, rufen Sie am besten Ihre Kreis- oder Stadtverwaltung an und fragen Sie nach dem Ansprechpartner für die Flüchtlingsunterbringung.

Die Wohnung muss bestimmte Kriterien hinsichtlich Größe und Miethöhe erfüllen. Sie können für den angebotenen Wohnraum Miete verlangen. Dazu schließen Sie mit der Behörde einen Mietvertrag ab. Dann entscheidet das Amt, wer in Ihre Wohnung einziehen darf.

Ich möchte meinen Wohnraum gern kostenfrei zur Verfügung stellen.

Das ist sehr löblich von Ihnen! Aber bitte bedenken Sie, dass neben der Miete weitere Kosten, etwa für Heizung und Energie, entstehen. Klären Sie rechtzeitig, wer dafür aufkommt. „Pro Asyl“ findet es durchaus richtig, dass die Kommune die Unterbringungskosten für Geflüchtete übernimmt – andernfalls sei staatliche Verantwortung durch private Wohlfahrt infrage gestellt. Außerdem könne durch Ihr Gratis-Wohnangebot ein ungünstiges Abhängigkeitsverhältnis zwischen Ihnen und dem Flüchtling entstehen. Daher rät „Pro Asyl“ zum Abschließen eines für beide Seiten fairen Vertrages.

Was mache ich, wenn ich einen bestimmten Flüchtling oder eine bestimmte Familie in meine Wohnung ziehen lassen möchte?

Dann sollten Sie sich für einen privaten Mietvertrag entscheiden. Dafür wendet sich der Asylbewerber selbst an die Behörde und bittet um einen Umzug bzw. stellt einen entsprechenden Antrag. Der Asylbewerber braucht die Erlaubnis, in Ihrem Wohnort in einer privaten Wohnung wohnen zu dürfen. Falls sein Einkommen nicht ausreicht, muss das zuständige Sozialamt zustimmen, die Mietkosten und eventuell eine Kaution zu übernehmen. Außerdem übernimmt die Behörde bis zu einer bestimmten Höhe auch die Heizkosten.

Kann ich ein einzelnes Zimmer meiner Wohnung an Flüchtlinge vermieten?

Natürlich. Aus Wohngemeinschaften ergeben sich jedoch weitere Herausforderungen, die Sie nicht unterschätzen sollten. Lernen Sie sich vorher gut kennen, um sicherzugehen, dass Sie sich auch gut verstehen. Es muss auch die freie Entscheidung des Asylbewerbers sein, mit Ihnen in einer Wohnung zu leben. Außerdem sollten beide Seiten die Möglichkeit haben, den Mietvertrag wieder zu kündigen.

Wie finde ich Flüchtlinge, die bei mir einziehen wollen?

Wenn in Ihrer Nähe bereits Flüchtlinge leben, wird es auch Begegnungsstätten oder Flüchtlingsberatungsstellen geben. Suchen Sie diese Orte auf, um potenzielle Mieter kennenzulernen. Sofern es erlaubt ist, können Sie auch die Gemeinschaftsunterkunft in Ihrer Nähe besuchen.

Bedenken Sie jedoch, dass nicht jeder Ihr Wohnangebot attraktiv finden muss. Auch Flüchtlinge sind Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und eigenen Vorstellungen zu ihrer Wohnsituation.

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.
Screenshot von Mopo24.de vom 19.9.2015

Lesehinweis: „So leben die Flüchtlinge in Dresden wirklich!“

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