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Droht eine Islamisierung Sachsens?

Droht eine Islamisierung Sachsens?

16. Oktober 2015

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In ganz Deutschland leben zwischen 4 und 4,5 Millionen Muslime. Das entspricht etwa 5 bis 5,5 Prozent der deutschen Gesamtbevölkerung. Das haben das Bundesamt für Migration (BAMF) und der REMID – Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst für die deutsche Islamkonferenz erhoben. Allerdings stammen die Zahlen aus dem Jahr 2010 – aktuellere gibt es nicht.
In Sachsen leben im Verhältnis deutlich weniger Muslime. Wie mehrere Medien bereits im letzten Jahr berichteten, bekennen sich nur rund 0,1 Prozent aller Sachsen zum Islam – das sind etwa 4.000 Menschen (z.B. FAZ, Spiegel oder Zeit). Selbst, wenn alle für dieses Jahr erwarteten 40.000 Asylbewerber Muslime wären (was sie nicht sind, da auch Christen oder Jesiden hier ankommen), würde ihr Anteil an der sächsischen Bevölkerung weiterhin unter 1 Prozent bleiben.

Viele Menschen beobachten gleichwohl mit Sorge, dass die salafistische Gemeinde in Deutschland in den letzten Jahren stetig wächst. Aktuell geht das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) von 7.500 Mitgliedern aus, 2011 waren es nur etwa 3.800 Anhänger dieser ultrakonservativen islamischen Strömung. Der Geheimdienst weist jedoch darauf hin, dass die in Deutschland lebenden Salafisten vor allem politisch und gesellschaftlich Einfluss nehmen wollen. Nicht-Muslime wollen sie missionieren und nicht-salafistische Muslime beeinflussen. Gewalt lehnen sie größtenteils ab – anders als die dschihadistischen Salafisten. Etwa 100 von ihnen wurden 2014 im Freistaat gezählt, von 210 Islamisten ging der sächsische Verfassungsschutz in seinem Jahresbericht 2014 insgesamt aus. Sicherlich ist damit zu rechnen, dass diese Zahl im Jahr 2015 angestiegen ist, auch wenn die Behörden bisher keine Erkenntnisse über eingereiste Gefährder haben. Zu bedenken ist dabei aber, dass viele Menschen auf der Flucht gerade vor Islamisten und ihrem gewalttätigem Regime (Stichwort: IS) sind.

Übrigens: Das in Bezug auf eine „Islamisierung“ oft benutzte Argument, Muslime bekämen deutlich mehr Kinder als Anhänger anderer Religionen, hält einem Faktencheck ebenfalls nicht Stand. Denn: Migranten passen sich der Geburtenrate und somit den steigenden Lebens- und Bildungsbedingungen des Landes an, in dem sie leben. Demnach sinkt auch die Geburtsrate von muslimischen Einwanderern in westlichen Ländern. Das ergaben Studien, die unter anderem die Süddeutsche schon 2010 thematisierte.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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