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Die Polizei veröffentlicht häufig keine Nationalität von Tatverdächtigen. Warum?

Die Polizei veröffentlicht häufig keine Nationalität von Tatverdächtigen. Warum?

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Äußere Merkmale eines Tatverdächtigen, etwa „südländischer Typ“, „sprach gebrochen deutsch“ oder „dunkelhäutig“, werden häufig verwendet. Die Polizei sei verpflichtet, alles zu tun, um Straftaten aufzuklären. Dazu gehöre laut Andreas Loepki von der Leipziger Polizei auch die genaue Beschreibung des Tatverdächtigen. Dies sei wichtig, um den Täter durch Zeugenaussagen finden zu können. Loepki weiter:

Eine Selbstzensur, etwa zur Vermeidung einer vermeintlich drohenden Stigmatisierung, findet nicht statt. Wir weisen aber regelmäßig darauf hin, dass Kriminalität ubiquitär ist, also zu jeder Zeit, an jedem Ort, in jeder Gesellschaftsschicht und in jeder Gesellschaftsform auftritt. Sie ist also nicht an Nationalitäten oder die Herkunft gebunden.

Wichtig ist also: Es ist nicht erwiesen, dass Menschen mit bestimmter Nationalität oder Herkunft besonders häufig Straftaten verüben. Somit kann eine Straftat nicht durch die Herkunft des Täters erklärt werden, deren Veröffentlichung ist also unnötig.

In der Presse ist dies ähnlich geregelt. Der Pressekodex des Presserates sieht vor, dass niemand „wegen seines Geschlechts, einer Behinderung oder seiner Zugehörigkeit zu einer ethnischen, religiösen, sozialen oder nationalen Gruppe diskriminiert werden“ darf. Dazu zählt auch die Herkunft von Tätern oder Tatverdächtigen. Weiter heißt es im Pressekodex:

In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.
Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.

Demnach sind Informationen über Herkunft usw. nur dann wichtig für die Berichterstattung, wenn sie mit der Tat in einem relevanten Zusammenhang stehen. Das Bedienen von Vorurteilen gegenüber Minderheiten – z.B. auch Ausländern – soll so vermieden werden.


Hinweis: In einer früheren Version lautete die Frage zu diesem Fakt: „Die Polizei veröffentlicht keine Nationalität von Tatverdächtigen. Warum?“ Als Antwort war „Die Herkunft spielt für die Aufklärung keine Rolle.“ angegeben. Nach Hinweisen von Twitter-Followern haben wir diese Formulierungen der Realität angepasst. Wie Beispiele aus Dresden zeigen, werden Täterbeschreibungen bei Medien-Veröffentlichungen durch die Polizei differenziert gehandhabt. Die moralischen und (presse-)rechtlichen Grundlagen, die wir im Beitrag beleuchten, bleiben davon unberührt.

Redaktion

Redaktion

Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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