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Bringen Flüchtlinge Krankheiten nach Sachsen?

Bringen Flüchtlinge Krankheiten nach Sachsen?

29. Oktober 2015

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Zum einen kommen Asylbewerber aus vom Krieg zerrütteten oder sehr armen Ländern, in denen Impfprogramme schon seit Jahren hinten anstehen. Zum anderen haben manche hochansteckende Infekte in den Massenunterkünften leichteres Spiel. Die meisten Infektionskrankheiten, die von Asylbewerbern ausgehen können, sind uns allerdings längst bekannt. Ergo: Wir können uns leicht gegen sie schützen.

Kompletter Impfschutz ist unerlässlich

Die Masernwelle, die im Oktober 2014 in einer Berliner Asylbewerberunterkunft ihren Lauf nahm, ist hierfür ein gutes Beispiel. Mehr als 1.000 Berliner erkrankten im Laufe des Jahres daran. In Sachsen waren es 270 Erkrankte (Stichtag: 25.09.2015).

Dass sich so viele Deutsche mit den Masern infizieren konnten, lag nicht zuletzt an der Impfmüdigkeit vieler: Besonders Erwachsene wissen oft gar nicht, wann sie das letzte Mal geimpft wurden und vor allem wogegen. Das Gesundheitsministerium rief deshalb dazu auf, den eigenen Impfstatus zu überprüfen. Zwei Impfungen mit dem Kombinationsimpfstoff Mumps, Masern, Röteln sind notwendig, um einen ausreichenden Schutz zu erhalten.

Experten: Mehrheit der Ausbrüche nicht von eingeschleppten Erregern verursacht

Das Robert-Koch-Institut (RKI), eine wichtige deutsche Forschungsstelle für Infektionskrankheiten, hat für Mediziner und Betreuer von Flüchtlingen ein „Bulletin“ zu in Deutschland ungewöhnlichen Krankheiten herausgegeben. Darin heißt es unter anderem:

Ausgehend von einzelnen Fällen der [in der Tabelle] aufgezählten Erkrankungen ist eine Ausbreitung in die Allgemeinbevölkerung sehr unwahrscheinlich!

Gegenüber Spiegel Online erklärte Infektionsspezialist Andreas Gilsdorf vom RKI, dass ein Großteil der Erkrankungen nur bei engem Körperkontakt ansteckend sei: „Das hängt ganz stark von den Unterkünften und gedrängten Situationen ab.“ Für Betreuer oder Helfer bestehe ein etwas erhöhtes Risiko.

Stichproben aus den vergangenen Jahren hätten darüber hinaus ergeben, dass die große Mehrheit der Ausbrüche in Flüchtlingsheimen nicht auf eingeschleppte Erreger zurückgehe. Die meisten Menschen hätten sich hierzulande angesteckt.

Flüchtlinge seien deshalb eine gefährdete und nicht etwa eine gefährdende Gruppe.


Details zu einzelnen Erkrankungen

Windpocken
Auch Windpocken brechen in Asylunterkünften immer wieder aus. Bei 6 Prozent aller Erkrankungen kommt es zu Komplikationen. Gerade Erwachsene stecken Windpocken oft nicht so leicht weg wie Kinder. Da die meisten Erwachsenen allerdings im Kindesalter die Windpocken durchgemacht haben, gelten sie als immun. Trotzdem sollte auch hier jeder überprüfen, ob er tatsächlich daran erkrankt war. Falls nicht: Die Varizellen-Impfung gibt es als Einzel- oder Kombinationsimpfstoff mit Mumps, Masern und Röteln.

Influenza
„Bundesweit fürchten Mediziner derzeit einen Ausbruch der Grippe, die sowieso jeden Herbst zur Herausforderung wird“, schreibt welt.de. In Zelten, in denen Dutzende schlafen, könnten sich 60 oder gar 80 Prozent der Bewohner innerhalb weniger Tage infizieren, zitiert die Zeitung einen Virologen. Die Grippeimpfung muss jedes Jahr erneuert werden.

Krätze und Durchfallerkrankungen
In den Massenunterkünften kann es aufgrund schlechter hygienischer Zustände immer wieder zu Durchfallerkrankungen kommen. Auch Krätze wird durch eine große Menschendichte begünstigt. Schützen kann man sich dagegen durch gründliches Händewaschen. Sich außerhalb eines Asylbewerberheims mit Krätze zu infizieren, ist unwahrscheinlich.

Redaktion

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Wir sind das Team von stawowy media, einem Dresdner Redaktionsbüro unter Leitung von Peter Stawowy. Seit 2010 betreiben wir unter anderem das unabhängige Medienblog Flurfunk Dresden, 2014 ist erstmals unser gedrucktes Magazin Funkturm erschienen. Dieses Faktencheck-Blog zum Thema Asyl ist aus der Frage geboren, was wir tun können, um die hitzigen Diskussionen zu versachlichen.

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